Trassenverlauf Cluster 1 - Quelle: Treurat und Partner
Der erste Trassenverlauf steht. Jetzt geht das Konzept der Bürgerenergie Region Nord von Landring in die Umsetzung. Das unterstütze ich weiter und gehe davon aus, dass noch viele weitere Biogasanlagen mitmachen, das Projekt in der Region insgesamt von allen gestützt wird und auch die Stadtwerke Flensburg die Chance ergreifen. Ich freue mich über den rundweg positiven Zuspruch auf der Informationsveranstaltung.
Mit der Sicherung des knapp 50 km langen Trassenverlauf von Braderup in Nordfriesland bis nach Handewitt sollen 21 Biogasanlagen an eine Biogasleitung angeschlossen werden. 52 Mio. m³ Rohbiogas werden dann nicht mehr mit den einzelnen Blockheizkraftwerken in Strom umgewandelt, sondern zentral in Ellund bei Flensburg in einer industriellen Einspeiseanlage direkt an der deutsch-dänischen Gastransitleitung zu Biomethan aufbereitet. In der Aufbereitungsanlage wird auch das CO2 gebunden und kann für die Bio-Methanol-Produktion genutzt werden. Mit dem Konzept können die Biogasanlagen auch nach Auslaufen der Förderungen die Energietransformation maßgeblich mitgestalten - zukünftig stärker im Wärmesektor.
Es sind auch schon drei weitere Trassen zur Aufbereitungsanlage nach Ellund in Planung. Zusammen sollen dann 208 Mio. m³ Rohbiogas aus über 60 Biogasanlagen zu über 114 Mio. m³ Biomethan mit einem Energiegehalt von über 1,1 Terawattstunden veredelt werden. Damit könnte theoretisch der gesamte Energiebedarf (Wärme und Strom) von Flensburg gedeckt werden. Ich hoffe und erwarte, dass die Stadtwerke Flensburg die Chance ergreifen und ihr bisheriges Interesse an der Biomethanabnahme in die Tat umsetzen. Fast alle Haushalte und Fernwärmekunden in Flensburg, Harrislee, Glücksburg und Wees würden durch Einsparungen der CO2-Abgabe in Millionenhöhe und langfristige Preisstabilität profitieren; Flensburg könnte schon bis 2030 klimaneutral werden.
Der Clou an dem Projekt ist aber nicht „nur“ die Poolbildung der einzelnen Biogasanlagen, deren Fortbestehen zur Biomethanproduktion, die CO2-Abspaltung und zentrale Wärmeversorgung. Zur klimaneutralen Energieversorgung kommt auch ein regionales Kohlenstoffmanagementsystem und eine Bodenverbesserung in der Landwirtschaft. Die Gärreste der Biogasanlagen sollen nicht mehr direkt als organische Dünger ausgebracht werden, sondern örtlich aufbereitet und zu pflanzenverfügbarem, nitratarmen Flüssigkompost sowie Agrarkompost mit Pflanzenkohle veredelt werden. Mit Humusaufbau, effizientem Nährstoffkreislauf sowie Reduktion von Mineraldünger und Pflanzenschutzmitteln werden dann die landwirtschaftlichen Böden verbessert, Wasserhaushalt und Biodiversität geschützt. Treibhausgase, Emissionen und Umweltbelastungen werden reduziert, CO2 wird langfristig im Boden gespeichert und die Landwirtschaft kann klimapositiv werden. Das Konzept sichert langfristig die landwirtschaftlichen Betriebe und stärkt die regionale Wertschöpfung. Mit dem Leitungsbau, der zentralen Biomethan-Aufbereitungsanlage und den Umrüstungen der Biogasanlagen mit Rückbau der BHKWs und den Gärresteaufbereitungsanlagen werden Investitionen in dreistelliger Millionenhöhe ausgelöst.
An dem komplexen Konzept hat vornehmlich Roland Heidemann seit Langem mit viel Engagement gearbeitet und viele Menschen zusammengebracht. Ihm ist allen voran zu Danken. Landwirte, Biogasanlagenbetreiber, Bürgermeister, Kommunalpolitiker, ehrenamtliche Berater, Landesregierung, Wissenschaftler von Europa-Universität und Thünen-Institut – alle ziehen an einem Strang. Auch ich unterstütze seit Längerem das Projekt, das nun umgesetzt werden kann. Der Einsatz für das Konzept lohnt sich. Es ist ein vorbildliches Muster für viele weitere Regionen und scheint die eierlegende Wollmilchsau zu sein.

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